Sehbehinderungen

Die Zahl der Menschen mit Beeinträchtigung des Sehapparates wächst mit zunehmendem Alter der Menschen. Abgesehen von den Menschen mit angeborener Sehbehinderung, ist dies oft ein schleichender Prozess, der von den Betroffenen nur selten bewusst wahrgenommen wird. Gleichwohl nimmt die Sehkraft bei den meisten Menschen ab ca. dem 40. Lebensjahr deutlich ab. Bei der barrierefreien Umgestaltung des Wohnraumes sollte dieser Aspekt nicht vernachlässigt werden.

Nachfolgend eine kurze Auflistung der bekannten und weit verbreiteten Augenkrankheiten:
 

  • Makuladegeneration (MD) ist der Oberbegriff für eine Gruppe von Augenkrankheiten, die die Makula (Sehzentrum) schädigt. Symptome sind Beeinträchtigung der Sehschärfe, der Lesefähigkeit, des Kontrastempfindens und des Farbsehens.
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  • Pathologische Myopie bezeichnet die krankhafte Kurzsichtigkeit, die entweder familiär bedingt auftritt und/ oder sich in Schule, Studium oder Beruf verstärkt. Sie tritt meist erst ab einer Stärke von -6,0 Dioptrien oder einer Länge des Augapfels von mehr als 26 mm auf. Es besteht das Risiko einer drohenden Erblindung durch Folgeerkrankungen.
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  • Diabetische Retinopathie ist ein Folgeschaden der Zuckerkrankheit. Durch die hohe Zuckerkonzentration im Blut verändern sich die winzigen Blutgefäße der Netzhaut (Retina). Dies kann mit der Zeit zu erheblichen Sehbeeinträchtigungen führen. Spätfolgen sind verschwommenes oder verzerrtes Sehen, blinde Flecken oder ein totaler Sehverlust durch Beschädigung der Netzhautmitte (Makula).
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  • Retinopathia Pigmentosa (MP) ist der Oberbegriff für eine Gruppe von Augenkrankheiten, die die Netzhaut (Retina) zerstören. Symptome sind Nachtblindheit, Gesichtsfeldeinengung (Tunnelblick) und Blendungsempfindlichkeit.
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  • Das Glaukom oder „Grüner Star“ ist ein Sammelbegriff für unterschiedliche Erkrankungen des Auges, die meist drei Charakteristika (erhöhter Augeninnendruck, Gesichtsfeldausfall, Pupillenexkavation mit Substanzverlust des Sehnervenkopfes) gemeinsam haben.
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  • Katarakt oder „Grauer Star“ ist eine Trübung der Augenlinse. Er führt dazu, dass das gesehene Bild an Schärfe verliert.

 
Betrachtet man die vorstehend genannten Krankheitsbilder, wird schnell klar, dass neben einer, gegenüber dem Standard, verbesserten Beleuchtung des Wohnraumes, auch ein besonderer Augenmerk auf eine kontrastreiche Gestaltung der Umgebung gelegt werden muss.

Nachfolgend eine Auflistung der häufigsten Beeinträchtigungen sowie wirksame Mittel zur Unterstützung:

Beeinträchtigung der Sehschärfe

Bei der Beschriftung von Haushaltsgegenständen und Funktionseinheiten sollten einfache und gut lesbare Schriften verwendet werden. Ebenso sollte die Schriftgröße entsprechend angepasst werden.

Beeinträchtigung der Adaptionsfähigkeit

Ältere Menschen haben oft Schwierigkeiten mit unterschiedlichen Helligkeiten. Beim Wechseln vom Dunklen ins Helle passt sich die Pupille nur langsam an. Hier kann eine gleichmäßige Leuchtdichtenverteilung das Auge wesentlich entlasten.

Eintrübung der Linsen

Die Linse wird durch die Einwirkung der UV-Strahlung eingetrübt. Dadurch ist nicht nur eine höhere Beleuchtungsstärke erforderlich, sondern die Farben Grün und Blau können nicht mehr eindeutig unterschieden werden. Dies sollte bei der Farbgestaltung berücksichtigt werden.

Verkleinerung der Pupille

Die Pupille verkleinert sich bei älteren Menschen. Dies ist ein natürlicher Vorgang und erfordert eine wesentlich höhere Beleuchtungsstärke als bei junge Menschen. Generell sollte man bei der Planung eine Verdopplung der Beleuchtungsstärke vorsehen.

Beeinträchtigung des Gesichts- und Blickfeldes

Das Gesichts- und das Blickfeld verkleinern sich ab dem 55. Lebensjahr. Auch dies ist bei der Planung zu berücksichtigen.

Beeinträchtigung der Farbtüchtigkeit

Die häufigste Farbsinnesstörung ist die Rot-Grün-Verwechslung. Die Kombination „Rot/Grün“ sollte insbesondere bei Informationsträgern vermieden werden. Ideale Farbkombinationen zeichnen sich durch folgende Eigenschaften aus:

  • Hohe Leuchtdichteunterschiede, z.B. „Schwarz/Weiß“ oder „Gelb/Blau“
  • Verwendung einer unbunten Komponente, z.B. „Weiß/Blau“ oder „Weiß/Rot“
  • Kombination von Komplementärfarben, z.B. „Gelb/Rot“

 
Zur Unterstützung sollte das Wohnumfeld durch Lichtrichtung, Kontraste und entsprechende Beleuchtungsstärke so beleuchtet werden, dass Gegenstände und Distanzen klar und eindeutig erkannt und zugeordnet werden können. Dies gilt insbesondere dort, wo Höhenunterschiede, sofern sie sich nicht vermeiden lassen, mittels Treppenstufen zu überbrücken sind.

Veränderung der Blendempfindlichkeit

Bei älteren Menschen nimmt die Blendempfindlichkeit durch Streulichtbildung des Auges erheblich zu. Deshalb sind Blendungen, Reflexionen und Spiegelungen zu vermeiden.

Allgemein

Lichtquellen sollten keine Spektralverschiebung in den roten oder den blauen Bereich aufweisen, da hierdurch vorübergehend auftretende Fehlsichtigkeiten entstehen können. Daher empfiehlt die VDI-Richtlinie 6008 tageslichtweiße Leuchtmittel.