Rollstuhlgerecht Wohnen

Rollstuhlnutzer stehen vor der Problematik, dass die Wohnung aufgrund fehlender Barrierefreiheit eine Behinderung darstellt. Völlig unterschiedliche Voraussetzungen können dazu führen auf einen Rollstuhl angewiesen zu sein. Hier nur einige Beispiele:
 

  • Offener Rücken (Spina bifida), hierbei handelt es sich um eine angeborene Fehlbildung der Wirbelsäule und des Rückenmarks. Die Beschwerden reichen von geringer Beeinträchtigung der Gehfähigkeit bis hin zur Querschnittslähmung.
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  • Glasknochenkrankheit (Osteogenesis imperfecta), eine Erbkrankheit mit einer abnorm hohen Knochenbrüchigkeit mit unterschiedlichen Krankheitsbildern. Die extreme Knochenbrüchigkeit wird nicht selten von Kleinwuchs und schwacher Muskulatur begleitet.
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  • Lähmung (z.B. Paraplegie), definiert die totale Lähmung der unteren Extremitäten. Hervorgerufen durch traumatische Ursachen wie z.B. Verkehrs­ und Sportunfälle oder durch krankheitsbedingte Ursachen wie z.B. Tumoren, Entzündungen oder neurogenerativer Krankheiten.
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  • Schlaganfall (Apoplexia cerebri), ruft in vielen Fällen eine Schwäche oder Lähmung von Arm, Bein oder einer ganzen Körperhälfte hervor. Verursacht in den meisten Fällen durch Hirn­ bzw. Hirneinblutungen. Der Schlaganfall gilt als eine der häufigsten Erkrankungen in Deutschland.

 
Jeder Mensch hat im Rahmen seiner Beeinträchtigung individuelle Stärken und Schwächen. Dementsprechend gibt es viele verschiedene Rollstuhlmodelle (Standardrollstuhl, Faltrollstuhl, Leichtgewichtrollstuhl, Adaptivrollstuhl, Aktivrollstuhl, Elektrorollstuhl usw.) die den Nutzer in seiner Mobilität unterstützen.

In der Wohnung bestehen häufig dennoch viele Barrieren. Bei einer Wohnungsanpassung, Umbau, Sanierung oder dem Neubau einer Wohnung ist es unabdingbar diese Hindernisse und Einschränkungen aus der Welt zu schaffen. Dies sichert das selbstbestimmte Leben und Wohnen, steigert den Komfort.

Eingang / Türen

Schon im Eingangsbereich wird darauf geachtet, dass eine leichtgängige Bedienbarkeit sichergestellt ist. Sowohl Abmessungen als auch Gewicht, Schloss und Drückergarnitur spielen dabei eine wesentliche Rolle. Wird die Wohnung direkt aus dem Freien erschlossen, ist ein Witterungsschutz z.B. ein Vordach unbedingt erforderlich. Auch die Briefkastenanlage muss einfach erreichbar sein. Selbstverständlich sind sämtliche Türen schwellenlos auszubilden und die Aufschlagrichtungen dürfen kein Hindernis darstellen. Je nach Erfordernis werden horizontale bzw. bei Schiebetüren vertikale Zuziehgriffe angeordnet. Auch bei den Türen sind ausreichende Bewegungsflächen einzuhalten. Bei Bedarf kommen automatisierte Türen zum Einsatz.

Die Küche

Die Planung des Raumes muss den Anforderungen bzgl. Bewegungsflächen und Mindestabständen entsprechen. Eine Rollstuhlgerechte Küche sollte im Hauptarbeitsbereich zwischen Herd und Spüle unterfahrbar sein. Eine optimale Lösung besteht darin, diesen Bereich über Eck anzuordnen. Somit werden sinnvolle und sichere Arbeitsabläufe gewährleistet. Die Höhe der Küche wird individuell auf den Nutzer abgestimmt. Greifbereiche werden rollstuhlgerecht angepasst. Der Kraftaufwand bei der Bedienung der Spülarmatur wird z.B. durch den Einsatz einer Mischbatterie mit langem Hebel auf ein Minimum reduziert. Für das Abgießen von Töpfen steigert der Einsatz einer einlaufschrägen Spüle sowohl den Komfort als auch die Sicherheit. Auch die Haushaltsgeräte werden unter dem Sicherheitsaspekt ausgewählt. Oberschränke werden ebenfalls auf Höhe individuell angepasst und mit weniger Abstand zur Arbeitsfläche aufgehängt.

Das Bad

Ein barrierefreies Bad entspricht nicht zwangsläufig einem rollstuhlgerechten Bad. Hier sind die Anforderungen höher und es bedarf insbesondere mehr Bewegungsfreiraum. Voraussetzung für das vollständig nutzbare Bad sind tragfähige Wände und Decken. Auf dieser Grundlage wird planerisch aufgebaut. Die Bodenbeläge müssen rutschhemmend, im Spritzwasserbereich sogar rutschfest sein. Aufgrund der Mindestabstände und Bewegungsflächen werden die Sanitäreinrichtungsgegenstände angeordnet. Ein unterfahrbarer Waschtisch auf richtiger Höhe mit korrekt positioniertem Spiegel ermöglicht eine uneingeschränkte Nutzung. Zusätzliche Ablagen erhöhen den Komfort. Auch hier können spezielle Waschtischarmaturen oder ausziehbare Schlauchbrausen zur Ausführung kommen. Das WC wird mit arretierbaren Halte­ bzw. Stützklappgriffen ausgestattet. Die Tiefe und die Sitzhöhe des WC’s wird ebenfalls auf die Bedürfnisse des Nutzers angepasst. Je nach Erfordernis ist es möglich eine automatisierte Spülung einzubauen. Bei den Duschanlagen stellt die Schwellenlosigkeit die erste Priorität dar. Ein entsprechendes Entwässerungssystem, die Oberflächenbeschaffenheit des Boden­- und Wandmaterial sowie deren ordnungsgemäße Abdichtung müssen zwingend vorhanden sein. Die Dusche wird mit Hilfsmitteln in Form von Stütz-­ und Haltegriffen und Duschsitz ausgestattet. Die vorgeschrieben Grundfläche der Dusche darf nicht unterschritten werden. Abtrennungen mittels Duschvorhang ermöglichen zusätzlich flexible Bewegungsflächen. Eine Badewanne sollte nachträglich eingebaut werden können. Ist genügend Platz vorhanden, kann diese auch direkt aufgestellt werden. Badewannen können sich nach Bedarf in Ihrer Art unterscheiden. So stehen z.B. Standartwannen zzgl. Wannenlifter, Hubbadewannen, Pflegebadewannen und als Alternative dazu auch die so genannte Duschliege zur Verfügung. Die Modelle verfügen über verschiedene Einstiegsvarianten. Zusätzlich kann der Transfer vom Rollstuhl in die Wanne durch bauliche Maßnahmen wie Verbreiterungen oder Vormauerungen erleichtert werden.

Allgemein

Das Spektrum der Anforderung an eine rollstuhlgerechte Wohnung ist sehr umfangreich und Bedarf einer kompetenten und vollständigen Planung. Es kommt nicht darauf an, DIN-­Normen und Planungsgrundsätze durchzusetzten. Die Individualität des Bewohners einschließlich seiner Fähigkeiten steht im Mittelpunkt einer jeden Maßnahme. Die Begriffe barrierefrei und rollstuhlgerecht werden leider häufig fälschlicherweise mit einem sterilem Raumgefühl assoziiert. Das dies nicht der Fall ist, beweist die breite Palette an funktionalen-­ und trendbewussten Produkten. Die Ideale Lösung kombiniert Unabhängigkeit durch Funktionalität und Wohlfühlen durch Gestaltung.