Blindenwohnung

Die Ursachen für eine Erblindung sind äußerst unterschiedlich. So gibt es beispielsweise Geburtsblinde ggf. hervorgerufen durch eine Rötelerkrankung der Mutter während der Schwangerschaft. Viele Menschen erblinden im Alter z.B. durch Diabetische Retinopathie, Makuladegeneration oder den Grünen Star (Glaukom). Blindheit kann aber auch durch einen Unfall verursacht werden, wenn das Auge in Verbindung mit Fremdkörpern oder Fremdflüssigkeiten verletzt wird. Erbliche Formen der Augenerkrankung sind die Retinitis Pigmentosa, eine Gruppe von Augenerkrankungen die eine Zerstörung der Netzhaut (Retina), des sehfähigen Gewebes am Augenhintergrund zur Folge haben. In diesem Artikel werden die Möglichkeiten der Kontrastreichen Gestaltung für Menschen mit eingeschränkter Sehfähigkeit bewusst nicht aufgeführt da diese eigens im Ratgeber Sehbehinderung thematisiert werden.

Training

Zur Herstellung bzw. der Wiederherstellung der Selbständigkeit in allen Bereichen des täglichen Lebens durchlaufen die Betroffenen ein sogenanntes „Training lebenspraktischer Fähigkeiten“. Dies beinhaltet unter anderem die Körperpflege, Essensfertigkeiten, Kochen und Haushaltstechniken. Es werden spezielle Techniken erlernt, auch unter Zuhilfenahme von Hilfsmitteln. Orientierung- und Mobilitätstraining dienen ebenfalls der Befähigung der Selbständigkeit und der Sicherheit. Mittels der Brailleschrift (Blindenschrift) sind erblindete Menschen in der Lage zu lesen und somit die Dinge des täglichen Bedarfs zu nutzen.

Wohnungsanpassung

Eine Vielzahl von Möglichkeiten bleiben häufig ungenutzt oder werden nicht systematisch kombiniert bzw. nicht konsequent durchgesetzt. Das selbstbestimmte und selbständige Leben als Blinde(r) in der eigenen Wohnung wird durch eine individuelle Wohnraumanpassung wesentlich einfacher und komfortabler. Beispielmöglichkeiten: Eingang, Flur und Treppenhaus eröffnen den Weg in die eigenen vier Wände. Besonders die Haus- oder Wohnungstür spielt eine große Rolle. Der Einbau eines Sicherheitsschlosses und ein

Sicherheitsbügel bzw. Sicherheitskette erhöhen die Sicherheit. Automatische Türschließer sollten dahin gegen vermieden werden, da die Gefahr des Einklemmens der Finger besteht. Ein Alarmsystem bietet dem Bewohner schnelle Hilfe . Bei langen Wohnungsfluren unterstützen Handläufe die Orientierung. In Mehrfamilienhäusern kommen oft tastbare Bodenleitsysteme und Aufmerksamkeitsfelder zum Einsatz. Im Flur sollte zusätzlich ein spezieller Anstrich für die Wände vorgesehen werden um Tastspuren auf den Tapeten zu verhindern. Bei den Treppen werden Orientierungshilfen verwendet. Neben dem Handlauf werden die Stufen entsprechend markiert. Eine Treppe muss unterseitig baulich verschlossen sein, damit das Unterlaufen in Verbindung mit einem Zusammenstoß verhindert wird.

Die Küche muss so konzipiert sein, dass gefahrloses Arbeiten möglich ist. Für die Zubereitung von Speisen sollte genügend Arbeitsfläche vorhanden sein. Auch Zutaten und Gerätschaften bedürfen einer hohen Anzahl von Abstellmöglichkeiten. Alle Flächen sollten bezüglich Erreichbarkeit und Oberflächenbeschaffenheit einfach zu reinigen sein. Eine Schwallkante bildet den vorderen Abschluss der Arbeitsplatte um Nässeschäden und somit Sturzgefahr oder sogar Kurzschlüsse zu vermeiden. Für den Küchensockel gibt es Leisten, die vor stehender Flüssigkeit schützen. Es ist darauf zu achten, dass keine Hindernisse (Regale, Schränke oder Wandlampen) in Kopfhöhe vorhanden sind. Generell ist eine sinnvolle Strukturierung unabdingbar. Elektrische Geräte wie Herd, Mikrowelle und Waschmaschine werden mit Markierungspunkten versehen. In der Spüle ist es möglich einen Abwurfschacht zu montieren, so werden Gemüseabfälle direkt entsorgt und stören nicht bei der weiteren Arbeit. In der Küche gibt es unzählige Hilfsmittel die den Alltag des Bewohners ungemein erleichtern.

Im Bad gilt auch möglichst der barrierefreie Grundsatz. Der zur Verfügung stehende Platz muss sinnvoll genutzt werden. Der Bodenbelag sollte rutschfest sein. Empfehlenswert aus hygienischer Sicht ist ein Fliesenbelag mit hohem Fugenanteil und rauher Oberfläche. Stabile Halte- und Stützgriffe unterstützen die Sicherheit zusätzlich. Als technische Assistenz ist ein sogenannter Badewannenwächter sehr komfortabel. Hierbei wird der Wasserstand kontrolliert und im Bedarfsfall akustisch alarmiert. Auch hier können viele zusätzliche Maßnahmen durchgeführt werden um Sicherheit und Wohlbefinden zusätzlich zu steigern.

Allgemein und Grundsätzlich sind für Blinde in Bewegung ertastbare (taktil-kinästhetische) Orientierungshilfen vorzusehen. Dabei wird insbesondere mit der Anordnung von Oberflächenbeschaffenheiten wie z.B. unterschiedlichen Materialien und Profilierungen gearbeitet. Darüber hinaus werden akustische Orientierungshilfen, Alarmgeber und Notrufsysteme vorwiegend verwendet. Inteligente Assistenzsysteme (AAL“Ambient Assistent Living“) stehen für technische und soziale Unterstützung des selbstbestimmten Lebens und können unter Berücksichtigung der individuellen Bedürfnisse eingesetzt werden.